Das Meer beruhigt, weil es sich bewegt. (J. K. Hultenreich)

Für die Organisationsentwicklung ist von entscheidender Bedeutung: Organisationen sind nicht vollständig beschreibbar und verstehbar. Die Kommunikation und Kooperation in Organisationen beruhen auf ganz unterschiedlichen Interessen.

Organisationen entwickeln eine eigene Unternehmenskultur mit eigenen formellen und informellen Regeln, Normen und Werten. Sie handeln auf Grundlage von Systemlogik und nicht (wie oft vorausgesetzt) von Sachlogik. Mitarbeiter werden nicht nur von Zielen der Organisation und rationalen Überlegungen geleitet. Ihr Handeln orientiert sich ebenso an der Organisationskultur mit ungeschriebenen Regelungen und Normen sowie an eigenen Motiven und Interessen. Persönliche Strategien und Machtkonstellationen spielen dabei eine Rolle.

Organisationsentwicklung, Wandel und Komplexität

Nicht der Wind, sondern das Segel bestimmt die Richtung. (aus China)

Organisationen als lebendige soziale Systeme sind komplex. Sie sind in stetiger Entwicklung. Arbeitssituationen und Ausgangsbedingungen in Organisationen werden zunehmend unbestimmter und unübersichtlicher. Auch die Rahmenbedigungen von Organisationen sind ständig in Bewegegung. Organisationen erfassen, verarbeiten und reduzieren Komplexität. Sie wandeln Unsicherheit in Gewissheit um. Auf der Basis von unvollständigen Informationen und nicht vorhersagbaren Entwicklungen müssen Entscheidungen getroffen werden. Deshalb dürfen einmal getroffene Festlegungen und Annahmen nicht endgültig sein, sondern müssen regelmäßig auf ihre Gültigkeit überprüft und ggf. korrigiert werden. Organisationen gelten jedoch als strukturell konservativ und als selbstreferentielle Systeme. Sie entwickeln eigene Sinnstrukturen, auf deren Basis sie Impulse aus der Umwelt interpretieren.

Organisationen neigen dazu, ihre Strukturen und Interpretationen zu bewahren. Angst, Abschottung und Besitzstandsdenken können dazu führen, dass wichtige Neuerungen nicht wahrgenommen werden. Wenn relevante Informationen und Probleme übersehen werden, kann dies jedoch die Existenz der Organisation gefährden. Aus diesem Grund müssen Organisationen ihre Umwelt und sich selbst beobachten. Sie müssen fähig sein, für sie wesentliche Veränderungen wahrzunehmen und auf diese zu reagieren.

Welche Herausforderungen ergeben sich für Organisationen?

Bedingungen für einen nachhaltigen Erfolg:

  • Organisationen müssen sich kontinuierlich neuen Anforderungen anpassen und Neues lernen. Sie müssen den Wandel managen und mit Ungewissheit umgehen können.
  • Reflektionsstrukturen sind erforderlich, um die Umwelt und die eigene Organisation zu beobachten und zu reflektieren.
  • Fehler und Veränderungen sind als Lernoptionen zu nutzen und Strategien zur Problemlösung zu entwickeln.

Lernfähige Organisation

Wer sich selbst wertschätzen kann, ist in der Lage, diese Wertschätzung auch anderen zukommen zu lassen. (O. Groß)

Aus den sich stetig verändernden Anforderungen an Organisationen entwickelte sich die Leitidee von der „lernfähigen“ oder „lernenden Organisation“. Die Kapazität von Menschen und Systemen (Organisationen) zur Verarbeitung von Informationen ist jedoch begrenzt. Deshalb können Organisationen durch zu viel Offenheit für Neues und Flexibilität überfordert werden. Auf dem Weg zu einer „lernfähigen Organisation“ sind eine Organisationskultur und ein Führungsstil anzustreben, die ausgerichtet sind auf Motivation, Vertrauen, Kreativität, Handlungs- und Entwicklungsspielräumen, Eigenverantwortung, Reflektions-, Kommunikations- und Veränderungsbereitschaft, Wertschätzung von unterschiedlichen Wahrnehmungen, Umgang mit Ungewissheit und auf ein grundsätzlich lern- und kundenfreundliches Umfeld.

Flexibilität ist eine wichtige Bedingung für Lern- und Veränderungsprozesse. Ein weiteres Argument für Flexibilität resultiert aus dem Umgang mit Ungewissheit und unvollständigen Informationen. Die Analyse von Situationen und Daten basiert immer auf selektiven Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsprozessen und ist somit prinzipiell unvollständig und lückenhaft. Werden einmal getroffene Entscheidungen nicht reflektiert, besteht die Gefahr, sich auf Scheingewissheiten zu verlassen. Dabei ist auf eine Überforderung und somit eine Balance von Stabilität und Wandel zu achten.

Das bringt Voraussetzungen für eine erfolgreiche Organisationsentwicklung und fürs Qualitätsmanagement (QM) mit sich:

  • Organisationsklima, bei dem Qualitätsmanagement mit der Intention des Lernens und nicht primär mit der Intention der Kontrolle verbunden wird
  • Balance zwischen Standardisierung und Flexibilität, Stabilität und Wandel, Offenheit und Geschlossenheit
  • Formulierung von beweglichen, aber nicht beliebigen Zielen
  • Implementierung von Gestaltungs-, Reflektions- und Lernimpulsen
  • Auseinanderstzung mit derzeitigen und künftigen Chancen
  • Förderung einer konstruktiven und wertschätzenden Auseinandersetzungskultur

Ein frischer Wind entwurzelt nicht. (R. Walden)